Ihr Verwaltungsrat ist nicht zu klein. Er ist vielleicht zu bequem.
Warum manche Verwaltungsräte mehr Sitzungszeit als Wirkung produzieren - und weshalb gerade inhabergeführte Unternehmen manchmal einen Verwaltungsrat auf Zeit brauchen.
Von Paul Beerli, Verwaltungsratspräsident
Ein Verwaltungsrat kann vieles sein: Kontrollorgan, Sparringspartner, Impulsgeber, Krisenmanager. Er kann aber auch schlicht ein regelmässiger Termin sein, an dem alle höflich nicken, das Protokoll genehmigen und vier Stunden später mit der Gewissheit nach Hause oder ins Restaurant gehen, dass man eigentlich auch eine E-Mail hätte schreiben können.
Das Problem ist selten zu wenig Governance. Das Problem ist zu wenig Widerspruch.
Zu viele Sitzungen drehen sich um Budgets, Kostenpositionen und operative Details. Zu wenig um die Fragen, die wirklich wehtun: Ist unsere Strategie noch richtig? Welche Risiken sehen wir nicht? Wo muss die Geschäftsleitung entschlossener handeln? Haben wir die richtigen Personen in der Geschäftsleitung? Und welche Entscheidung schieben wir seit Monaten vor uns her?
Gerade in inhabergeführten Unternehmen ist das ein heikler Punkt. Vertrauen und langjährige Zusammenarbeit sind wertvoll. Aber genau diese Nähe kann unbequemes Hinterfragen erschweren. Wer sich seit Jahren kennt, stellt nicht automatisch die Fragen, die niemand hören möchte. Dabei ist genau das eine Kernaufgabe des Verwaltungsrats.
Ein Verwaltungsrat sollte nicht möglichst reibungslos funktionieren. Er sollte Wirkung erzeugen. Das bedeutet manchmal, Widerspruch zu organisieren. Perspektiven von aussen einzubringen. Entscheidungen zu schärfen. Risiken früher zu erkennen. Und der Geschäftsleitung auch einmal zu sagen: So nicht.
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